Zur Schnitzeljagd nach Sölden

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Vor nicht allzu langer Zeit läutet mein Telefon und mein Freund Andy, „Wir fahren bei einem Mountainbikerennen mit.“ Ich bin selten sprachlos, aber diesmal war´s ruhig. Einzig „Aha“ und „Wieso?“ kam mir über die Lippen. „Ja, das ist kein richtiges Rennen, eher was lustiges, eine Enduro-Schnitzeljagd„, na ja dann, „Eh klar fahren wir„. Andy der Glückspilz hat einfach mal so im Bikemagazin das Gewinnspiel ausgefüllt und die Glücksfee hat zugeschlagen.

Von Tag zu Tag ändert sich der Wetterbericht. Geplanter Start am Gaislachkogel auf  3058 m. Ein kurzer Blick auf die Webcam zeigt ein Bild welches einen im Februar frohlocken ließe, jedoch jetzt im Juli will das keiner sehen. Kurzes Mail an die Veranstalter ob das Rennen stattfindet oder nicht, rasante Antwort „Eh klar“, Start jedoch im Tal und wir kommen über die Mittelstation des Gaislachkogel auf 2170 m nicht hinaus.

Diesmal ist die Packliste sehr einfach. Wasserdicht & warm. Für den Renntag haben wir die schlimmste Wettervorschau, aber wir fahren. Ein echter Schnitzeljäger kämpft bei jedem Wetter. Unser Landy ist vollgestopft mit Ausrüstung geht´s dann auch schon los in Richtung Westen. Die Anfahrt staufrei und zumeist auch frei von Niederschlägen jeglicher Art cruisen wir in unser tolles Hotel Elisabeth direkt zum Abendessen.

Nach ausreichender Kalorienzufuhr knattern wir in den Ort runter zu Marcos-Treff um unsere Startnummern abzuholen. Zurück an der Hotelbar knobeln wir mal die beste Strategie für morgen aus. Unterstützt durch Bier und Zwetschgenschnaps gibt´s eh nur eine Möglichkeit. Das Schlimmste zuerst! Hochkurbeln auf die Stallwies Alm, dann Umziehen und rasch die Trails mit der Gondel erledigen und dann fahren wir noch die Trails für die wir noch keine Zeit hatten. Das war mal so der Plan.

Am nächsten Morgen schimmert es hellgelb durch die Vorhangritzen. Das schaut nicht nach Regen aus? Vorhang weg, wow, blauer Himmel und Sonnenschein. Juhu!

Nun, das Glück währt nicht lange. Bereits nach dem Frühstück wird es immer dunkler und es scheint als würden die Wetterfritzen recht haben. Das Briefing im Startraum absolvieren wir noch im Trockenen, 10 Minuten vor dem Start fahre ich mit meinem Landy über das Vorderrad von meinem lieben Freund und Partner Andy. Oje, kaputt. Die Menge schimpft und die Gesten könnten deutlicher nicht sein. Scheiße. Weder gesehen noch gespürt. Aber, ein überaus großzügiger Biker hat glücklicherweise ein passendes Vorderrad dabei und Andy ist ja auch mein Lieblingsmechaniker. Der wechselt den Reifen in einer Geschwindigkeit die uns ermöglicht noch rechtzeitig am Start zu sein.

Zach, so am Morgen schon bergauf treten. Unsere Strategie hatten anscheinend auch andere gewählt, somit der erste Anstieg im Stau erfolgt. Das Bike auf die Schultern und los gehts. Dann mal brav kurbeln. Der Typ im Marcos meinte 600hm, ich denke der hat uns 200hm verschwiegen, aber egal das hilft nichts. Positiv, es hat die ideale Temperatur zum Raufkurbeln, jedoch nach 2/3 beginnt es zu regnen und das geht dann auch den ganzen Tag so weiter.

Bei der ersten Übung auf der Stallwies Alm, Stau. Alle stehen brav in einer Reihe, noch rennt der Schmäh. Wir wechseln mal die Kleidung und ziehen uns die Regenjacke über. Das wichtigste Tool für den heutigen Tag. Nach Absolvieren dieser äußerst diffizilen Aufgabe geht´s ab in den Kleblealm Trail. Einige ziehen die Forststraße vor, ist zwar definitiv schneller, aber wir sind ja wegen der Singletrails hier. Etwas zu viel Luft im Vorderreifen sind die ersten Kurven dann doch schon immer wieder sehr sturznah, aber nach und nach stellt sich der Flow ein. Man fährt doch etwas schneller als sonst, aber bei diesen Verhältnissen ist Schnelligkeit auch gleichzeitig Sicherheit. Nasse Wurzeln und nasse Steine flutschen einfach besser, wenn Du nicht zu langsam bist.

Schon sind wir wieder im Zielraum angelangt, das nasse Zeug ins Auto rein und den Helm gewechselt, weil ab jetzt nur noch Singletrail Vollgas. Rein in die Gondel, rauf zur Mittelstation des Gaislachkogel, Ausstieg auf 2178 m, es regnet nicht mehr, es schneit. Egal, mit Schwung den Gaislacher Urweg in Richtung der nächsten Aufgabe zum Gasthof Silbertal. Die Sicht ist denkbar schlecht und der Trail hat sich wieder mal dem Motto „Der Bach ist der Weg“ untergeordnet. Übermut tut selten gut, wusch und ich liege schon 3m unterhalb vom Urweg. HackiZacki, nix passiert, Schoner richten, Rad checken und aufsitzen, weiter geht´s die wilde Jagd nach dem Schlammschnitzel. Jetzt wird´s zeitweise so richtig tief, die erste Schlammpassage generös gemeistert, die zweite im Angriff, Ideallinie besetzt, egal wir kommen auch durch das Loch. Wusch. Abgang über den Lenker. War doch tiefer als gedacht. Vorderrad eingesunken bis über die Nabe, das steht keiner durch. Der Biker auf der Ideallinie in Schiebeposition lapidar „und ich die Kamera nicht dabei„, egal, aufsitzen und weiter geht´s. Sicht mittlerweile gleich null, die Brille ist durch den Sturz in das Loch etwas beleidigt. Im Silbertal angekommen, oje mein Partner ist nicht da. Der war doch vor mir? 10 Minuten später flitzt er um die Ecke. Hat einen anderen Weg genommen und dort auf mich gewartet. Na so ist das eben.

Somit wird auch diese Übung gemeistert und ab geht´s ins Tal auf wunderbaren Trails. Wenn die trocken wären. Hawedäre, die wären geil. Somit Tempo halten und schauen dass die Reifen am Weg bleiben, keine Zeit mehr für weitere Stürze. Das Bike wiegt mittlerweile 2 kg mehr als vorhin, schlammbespritzt, Lärchennadeln und Dreck, ein Wunder das noch alles funktioniert. Kurz vor der Talstation extrem steile hängende Kehren. Nicht lustig. Aber super!

So, nochmals rauf auf den Berg und diesmal rechts raus in den Nebel und die Wolken. Eine Gruppe Japaner wandert durch den Nebel, wir denken die sind verrückt, die denken aller Voraussicht nach das Gleiche von uns. Bartig´s Bödele, ein cooler Trail, leicht bergauf, zeitweise felsig, aber das bergauf tut gut, denn es ist kalt. Kurze Zeit später erreichen wir die Passstraße und wir radeln noch ein paar Meter rauf zur Rettenbach Alm auf 2145 m, wo wir uns einen Espresso reinziehen. Der nachfolgende Rettenbach Trail ist ein Höhenweg, super flowig zieht er sich der Bergflanke entlang und mündet in die Abfahrt zur Gampe Thaya unserer vorletzten Herausforderung die Andy heute wie immer perfekt meistern wird. Am Trail ist er nicht gestürzt, aber jetzt mit dem Mikroradl hat´s Ihn gleich ein paarmal so richtig hingefetzt. Da verging allen das Lachen. Aber nix passiert, ein paar blaue Flecken mehr und die Jacke jetzt auch vorne dreckig geht´s wieder weiter. Das Bike auf die Schulter. den Puls auf 180 klettern wir den Trail zurück rauf um dort die Abzweigung für den letzten Checkpoint zu erreichen.

Dieser Weg (Leiterberg Trail) ist supergeil. Ein wunderschöner Flow, teilweise sogar heute, gleiten wir zu Tal dem Ziel entgegen. Bei mir geht langsam der Saft aus. War doch alles gehörig anstrengend. Glücklich erreichen wir das Ziel, schmutzig wie nie zuvor, jedoch unverletzt und es war ein tolles Abenteuer.

Gestartet um 1030 und retour um 1600 ergibt die Plazierung 56. Eine Espressopause von 5 Minuten und ansonsten nur die Rast in der Gondel. Na das war doch was.

Jetzt aber ab in die Sauna. Vorher noch der letzte Stau beim Dampfstrahler. Heiße Dusche und Sauna, herrlich. Nach kurzer Ruhepause geht´s schon wieder weiter zu Marcos-Treff um die Siegerehrung nicht zu verpassen und wichtig, das Schnitzel zu verköstigen! Super Stimmung, nette Leute das eine oder andere Bierchen gezwitschert und dann wird mein Name aufgerufen. Tombola. Ich hab gewonnen. Freude!

Ein langer Tag geht zu Ende. Wir kommen wieder.

Was gefällt uns in Sölden?

  • Flowtrails vom Feinsten mit technischen Gustostückerln
  • Alle Trails sind Naturtrails welche mit den Wanderern geteilt werden
  • Singletrails ohne Ende
  • Tolle Natur mit einem unvergleichlichem Panorama
  • Gute Infrastruktur für Biker
  • Wunderschönes familiär geführtes Hotel
  • Schnitzeljagd ist ein toller Marketingevent für die Region

Was ist anders in Sölden?

  • Lange Anfahrt für uns deshalb demnächst zumindest 3 Übernachtungen
  • Durch die Höhenlage ist eine starke Wetterabhängigkeit gegeben
  • Liftkarte ist extra zu bezahlen im Gegensatz zu anderen Gebieten wo diese mit der Übernachtung kombiniert wird

Linktipp: Pfadfinder Schnitzeljagd Sölden

Hoteltipp: Elisabeth

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