Fahrtechniktraining Latsch

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Mit TrailXperience im Vintschgau

Wozu brauchst Du ein Fahrtechniktraining?

Na diese Frage habe ich schon mehrmals gehört, jedoch nach dem ersten Training welches ich vor 2 Jahren absolvierte gab´s einen Schub nach vorne und es gibt ja noch soviel zu lernen. Die Kehren von La Palma und vom Wildkogel wissen das.

1. Tag

0600 der Wecker macht sich bemerkbar, die Sonne scheint durch das Dachfenster, ein wunderbarer Tag um sich startklar zu machen auf eine Reise in den Vintschgau. Nochmals kurz ein Wettercheck auf meteoblue.com. Die letzten Tage waren geprägt von einer Wettervorschau zwischen Sonnenschein mit 25 Grad sowie Regen mit 5 Grad. Die Bikes sind bereits im Auto, noch weitere warme Kleidung und Regenjacke eingepackt und los geht´s in Richtung Süden. Dank google maps 3 verschiedene Routen ausgemacht, letztlich für die Route 3 über Nauders entschieden obwohl wir seitens der TrailXperience Vorhut gewarnt wurden vor einer Baustelle, aber das wird schon klappen.

Kein Verkehr bis Südtirol, die Baustellenampel meinte es gut mit uns, ohne Stau bei Grün durchgerutscht. Die letzten 35 km vom Reschenpass dann etwas zögerlicher Touristenverkehr. Nach ca. 25 km Apfelplantagen gelangen wir nach Morter, dem Ziel unserer Reise. Ein Großteil der Truppe scharrt schon mit den Hufen, füllt Wasser in die Flaschen, checkt den Luftdruck und voilà da kommen schon die Hirtennudeln auf den Tisch und dies bedeutet nochmals ordentlich reinzuhauen, bevor es dann um 1300 – mit deutscher Pünktlichkeit – losgeht.

Wir waren wieder mal die Quotenösterreicher, man könnte meinen es gibt keine Biker mit Lernbedarf hier bei uns? Mathias stellt uns sein Team vor und wir sitzen mal alle zusammen in der Wiese und horchen wie er sich das vorstellt die nächsten 4 Tage. „Nun schätzt Euch doch mal selbst ein, in welche Gruppe Ihr am besten reinpasst“ sagt Mathias und oh Wunder, mehr Tief- als Hochstapler.

Jetzt geht´s los. Aufsitzen und mal rüber auf den Sportplatz und wir beginnen gruppenweise zu trainieren. Vorher mal der obligatorische Sicherheitscheck des Materials, natürlich nicht das eigene Rad, sondern das Rad des Nachbarn. Argwöhnisch blicke ich auf meinen Nachbarn der da an meinem Bike rumdöselt. Na ja, einfach mal cool bleiben und an seinem Rad schauen, was los ist. Und tatsächlich, bei dem Knaben ist die Lenkstange locker. Na was will man von „Karl-Josef“ auch anderes erwarten …

Nach einer kurzen Vorstellrunde mit Namen und was man sich hier so wünscht, geht´s ein paar Meter weiter und wir beginnen mit den Übungen. Der richtige Umgang mit der Bremse. Hinterbremse, Vorderbremse jede Menge Übungen und wirklich toll erklärt und jeder bekommt seine persönliche Reflexion von Mathias. Fast hätte ich´s vergessen. Die richtige Position am Fahrrad. Der meiner Ansicht nach wichtigste Punkt. Schließlich hängt davon ja am meisten ab, ob und wie man sich sicher durch das Gelände bewegt. Nach einigen Stunden an Übungen, Reflexionen und weiteren Übungen machen wir uns auf und fahren rauf zur Ruine. Der Aufstieg ist auf Asphalt und nach ca. 15 Minuten sind wir oberhalb von Morters angelangt mit einem wunderschönen Ausblick.

Hinter der Ruine verbirgt sich ein wunderschöner Flowtrail mit etlichen Spitzkehren den wir mit Schwung zu Tale rauschen. Mathias hat sich neben den Trail platziert und beobachtet die Leistungen seiner Schützlinge. Jedes Detail wird in sein Büchlein geschrieben, um dann später auch korrekt wieder diskutiert werden zu können. Ein paar von uns sprinten gleich nochmals hoch um diesen Trail nochmals abzureiten.

Wir sind jedoch aus Platzgründen in einem anderen Haus untergebracht als der Großteil der Mannschaft und somit verabschieden wir uns, da um 1900 das Essen am Tisch steht und die Wirtin mit unpünktlichen Gästen umgehend eine Diät vereinbart. Somit ab in die Pension Martin, die in einer absoluten Ruhelage gelegen ist. Schnell duschen und rasch zum Abendessen. Hier in der Pension sind wir 8 Leute von unserer ca. 24-köpfigen Truppe und am Abend ist immer einer der Guides bei uns. Heute beehrt uns Tom und Christian. Vorerst mal Salat vom Büffet, dann Spaghetti Bolognese, Griesnockerlsuppe und Hirschragout mit Creme Caramel zum Abschluss. Nun, verköstigt wurden wir, als wenn bereits 3000 hm in unseren Beinen wären.

Nachdem wir alle ziemlich müde sind, manche hatten eine elendig lange Anreise, verziehen wir uns auf unsere Zimmer um den Tag nochmals Revue passieren zu lassen und schnell in den Schlaf zu versinken.

2. Tag

0700. Fühle mich als wäre ich eben erst schlafen gegangen, ein Blick aus dem Fenster. Na, nach den berühmten 300 Sonnentagen schaut´s heute nicht aus. Mathias hat mich gestern beauftrag einen neuen Vorderreifen aufzuziehen da auf meinem Fat Albert ein paar Stollen fehlten. Ja, er hat eh recht. Fehlten tatsächlich schon einige und die anderen waren eingerissen. Aber, in weiser Voraussicht hatte ich ja bereits zwei Hans Dampf eingepackt. Mein Chefmechaniker Andy war leider diesmal nicht dabei, deshalb mußte ich das jetzt alles allein bewerkstelligen. Ich hasse schrauben und handwerken.

Frühstück ab 0800 und antreten am anderen Ende des Ortes um 0900. Deutsche Pünktlichkeit ist angeraten, ansonsten ist keiner mehr da. Kurze Einweisung was heute so geplant ist und schon aufsitzen und runter den Bierkellertrail in Richtung Latsch entlang eines Walweges. Dann mal ca. 15 Minuten hoch eine Fortstrasse und Kurventraining mit Video. Rauf und runter und rauf und runter und rauf und runter.

Eigentlich regnet es bereits in Strömen. Tatsächlich findet dies jedoch rund um uns statt und zum Glück nicht über uns. Jetzt geht´s weiter in einen kleine Bikepark welcher von Daniel Schäfer – kennen wir bereits von La Palma – in einem kleinen Lärchenwald angelegt wurde. Alles vorhanden um das vorher gelernte mal versuchen umzusetzen. Aktive Haltung am Bike, reinlegen in die Kurven, richtiges Bremsen und Holter die Polter über die Baumstämme und noch ein kleiner Pumptrail als Abschluß. Mathias zeigt´s vor, jeder bekommt seine Reflexionen und wieder geht´s rauf und runter bis das Ganze mal so halbwegs sitzt.

Mit vielen bunten Hütchen hat Mathias zwischenzeitlich einen Spitzkehrentrail ausgesteckt, welchen wir jetzt mal zur Belustigung der anwesenden Mädlstruppe im Gänsemarsch abgehen. Naturalmente – Richtige Haltung!

Nun. Wie gehabt abfahren der Spitzkehren – „nicht zurückfallen“ hallt es vom Seitenout und „vorne bleiben“, „Blick in die Kurve“, „jetzt geradeaus“ und irgendwann dann „Super, genau so“.

Also Rucksack wieder auf den Rücken und runter in den Ort in die Schwimmbadpizzeria mit Radgroßen wunderbaren Pizzen. Hier treffen wir dann die Gruppe 3 und es gibt eine Menge zu erzählen und zu bequatschen. Wir Ösis sorgen für die dummen Sprüche und die Stimmung ist großartige bis der Blick nach draussen schweift. Jetzt ist er da. Der Schlechtwettergott hat uns gefunden. Es nützt nichts, wir müssen raus sind schliesslich nicht auf Urlaub hier.

Um dem Regen etwas aus zu kommen fahren wir den Bierkellertrail rauf in den Wald um dort mal Singletrail bergauf fahren zu trainieren. Bis wir am Ziel anlangen, einer wirklich fiesen Doppelspitzkehre. Vorerst mal Theorie wie, was, … Mathias macht´s mal vor und jetzt sind wir dran. Ich fahre gleich mal als erster damit ich´s hinter mir habe und voila durchgekommen. Ned schlecht denke ich und gleich mal große Klappe, „ois gonz easy, einfach durchfahren“! Der Regen wird immer stärker und nachdem alle durchgefahren sind, der eine oder andere mit mehreren Versuchen geht´s weiter den Berg rauf. Wäre ein super Trail zum runterfahren denke ich während mir das Wasser den Rücken hinunterrinnt. Mittlerweile ist es auch empfindlich kalt geworden im Vintschgau.

Oberhalb der Ruine kommen wir aus dem Wald und runter geht´s wieder den Super Trail welchen wir bereits am Vortag kennen gelernt haben. Und tatsächlich. Die Spitzkehren kann man noch viel enger und flüssiger fahren. Ein erfolgreicher Tag neigt sich dem Ende zu. Rein fahrtechnisch versteht sich.

Nach dem Motto „Auspannen könnt Ihr zuhause“ gleich mal ab in die Dusche, denn um 19oo ist Treffpunkt im Georgshof um dann gemeinsam zum Bierkeller zu wandern um dort mal so richtig reinzuhauen. Der Weg hin ist ja noch ganz lustig durch den Wald, aber der Weg zurück ohne Licht im Schlamm ist dann doch nichts für uns, deshalb streiken wir einfach mal und fahren mit dem Auto. Bevor wir starten, checken wir nochmals die Nachzügler. Stefan hat geschlafen bzw. er meinte er hätte einen anderen Termin – hawedere de hom Ausredn de Bayern. Egal, schliesslich kommen wir alle gemeinsam am Ziel an und besetzen mal unsere Tische. Das wir nicht die einzigen Biker sind welche sich in Latsch aufhalten haben wir bereits die letzten beiden Tage mitbekommen. Im Bierkeller wurde dieser Verdacht dann umgehend bestätigt. Das diese Jungs und Mädls eine Familie sind hat sich auch bestätigt, da sich alle 5 Minuten ein paar um den Hals gefallen sind und sich die Schultern wundgeklatscht haben.

Endlich, nahe am Verdursten das Bier kommt. Prosit! Hunger. Durst. Gleich mal die zweite Runde geordert. Dank Orderman ist die zweite Runde exakt terminlich am Tisch. Strategisch optimale Tischwahl. Wir bekommen das Essen als Zweiter und haben schon mal so geschaut am Nachbartisch was uns denn so erwartet. Stelze, Schweinsbraten, Ripperl, Grillhuhn, … alles was wir zuhause nie essen, aber hier – deliziös. Deshalb gleich noch eine Runde Bier.

Aufgrund unseres hohen Alters geben wir der Müdigkeit nach und verabschieden uns wohl wissend das auch morgen ein langer aktiver Tag auf uns wartet und erfahrungsgemäß, wenn man den Abgang übersieht, dies am nächsten Tag immer büßen muss.

3. Tag

Wie üblich bimmelt uns der Wecker wieder aus dem Bett. Heute ist Shuttle angesagt. Der herrliche blaue Himmel welcher prophezeit wurde hat sich noch nicht eingestellt, übrigens wenn Ihr heuer noch in den Vintschgau fährt kann nur noch schönes Wetter sein, rein statistisch versteht sich, dafür ist es saukalt und der Schnee lacht uns entgegen. Zum Aufwärmen gleich mal rauf in Richtung Ruine auf ein Spitzkehrenschmankerl und einen Rutsch- und Gleitraining auf nassem Pfade. Gleittraining war einfach, sind wir von zuhause gewöhnt, da ist es öfters mal nass. Die Spitzkehre nach dem Frühstück war eine Herausforderung. Aber egal, nach der theoretischen Linienbesprechung gleich mal aufsitzen und rein. Tja, das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Erster Versuch, Linie nicht erwischt, zweiter Versuch zu spät eingelenkt, dritter Versuch schaut cool aus, nur leider mit dem Lenker am Baum aussen hängen geblieben. Abbruch. Tja was nett war, den Profis ging´s auch nicht besser. Diese Lumpen haben´s dann mit Umsetzen geschafft. Ist ja fast so als mit gezinkten Karten spielen.

Und weiter geht´s runter nach Latsch zur Gondelbahn wo bereits der Shuttle wartet. Na ja, zuerst warten mal wir. Mathias teilt uns ein in Hedonisten und andere. Waren keine Hedonisten an Bord die sich Cappucino schlürfend in die Wartezone begeben, deshalb neue Übungen. Vorderrad anheben, Hinterrad anheben. Hinterrad anheben und versetzten, Kurven fahren und Hinterrad anheben und versetzen. Und noch einmal.

Der Himmel wird langsam heller. Der Schnee dadurch besser ersichtlich und der Shuttle ist auch da. Somit aufsitzen und rauf auf die Sonnenseite von Latsch. In endlosen Kehren fahren wir den Berg hoch und überholen unzählige Biker welche sich den Anstieg mühsam erkämpfen. Hoch oben über dem Talgrund steigen wir aus und fahren zur Jausenstation. So ein Aufstieg gehört schliesslich belohnt.

Hier treffen wir wieder unsere Kumpels aus der Gruppe 3 die sitzen schon bei Kaiserschmarren und Nudelsuppe, Caffee Latte. Im Ofen knistert das Feuer und langsam tauen wir auf und die nassen Sachen werden trocken. Gleich mal ein Bierchen gezwitschert, was mir einen mißbilligenden Blick unseres Guide einbringt. Na ja, habe schließlich nicht soviel Restalkohol wie der Rest der Bande.

Und dann geht´s auch schon wieder los. Mathias erklärt noch kurz was uns auf diesem Abschnitt erwartet und los gehts. Oben gleich mal super flowig, eine Menge Verkehr allerdings. Geht´s zu wie am Ring in Wien. Jetzt kommen wir zu ein paar Sektionen die etwas felsiger sind, deshalb auch ziemlich ruppig und vor allem heute aufgrund des vielen Regens saurutschig. Die erste Passage geht gut, super kontrolliertes Fahren. Hatten ja auch einen tollen Lehrmeister! Jetzt steht uns die zweite Passage bevor. Zuerst mal Besichtigung ob wir hier auch eine Linie finden. Mathias macht das mal vor. Einwandfrei. Jedoch auch gleich mal ersichtlich dass dies definitiv schwierig ist und Stürze hier ziemlich weh tun. Na ja egal, versuchen muss man das ja mal. Joana fährt mal vor, von oben sieht man nichts deshalb horche ich mal ob sich was tut. Jetzt will ich nicht länger warten und schon bei der Einfahrt merke ich wie unsicher ich da rumschlankle. Etwas fluchen und schimpfen und schon gehts besser. Aufeinmal von hinten gepolter und der Ruf „Heh Maloja“, ich rein in die einzige Ausweiche auf den nächsten 30 Metern und hinter mir donnern 5 Downhiller mit mächtigem Federweg in Fullspeed die Felsen runter. Die konnten wirklich gut fahren. Soderla, denke ich. Jetzt wird geschoben. Ich will morgen auch noch fahren.

Nach dieser Passage war´s super flowig und so düsten wir immer mehr gegen Tal bis wir wieder eine Passage erreichten wo Mathias uns eine nette Aufgabe stellte. Öfters fahren. Aktives Fahren. Somit wieder mal ein paar Mal raufschieben durch den Wald und runter.

Aufgrund des starken Verkehrs hat Mathias den Plan geändert und wir sind den Schluss anderweitig gefahren. Was ich als super perfekt empfunden habe. Der Trail war unten völlig aufgetrocknet. Steile kurze Felsrinnen mit Flowpassagen und Technikschmankerl waren der krönende Abschluss unserer 2000 Tiefenmeter.

4. Tag

Basierend auf den Erfahrungen dieses Tages hat Mathias unsere Gruppe nochmals aufgeteilt in eine etwas schnellere und eine etwas gemächlichere Gruppe. Für die schnellen bedeutet dies morgen um 0845 am Georgshof. Somit wieder mal den Wecker auf 0630, da wir ja vorher auch noch einpacken mußten.

Gespannt sind wir alle pünktlich vor Ort, diesmal bei blauem Himmel und Sonnenschein. Heute geht´s Ruck Zuck. Rauf zur Ruine, warmfahren im Haustrail und dann Bierkellertrail in Richtung Seilbahn wo auch bereits der Shuttle für uns bereit steht. Am gewohnten Treffpunkt raus und hui. Kalt ist es da. Am Nachmittag ist wieder Regen angesagt, deshalb aufsitzen und noch schnell zur Krapfenstation.

Heute fahren wir den Mohnkrapfentrail. Teilweise etwas ausgesetzt aber bereits super trocken und wir spüren den Flow so richtig schön. Spitzkehren teilweise ursteil und eng. Manche gehen, manche nicht, aber wir kommen wieder und dann werden die alle gehen!

Nach langer Fahrt gelangen wir ins Tal um wieder einem Walweg folgend in Richtung Latsch und Morter zu radeln. Wir waren zu schnell heute, deshalb noch 30 Minuten hoch den Berg in einen Spitzkehrentrail der Superlative. Meine Bergauf Kondition ist stark verbesserungswürdig. Bergab gehts viel besser.
Die erste Kehre war zu eng. Aber der Rest bis auf 1 oder 2 Kehren ging super.

Nun runter zum Georgshof und nun heißt es Abschied nehmen. Diese 4 Tage vergingen wie im Fluge. Wir waren eine tolle Truppe, haben viel gelernt und manchmal hat auch die deutsche Gründlichkeit ihre Vorteile.

Bike Nature Soul steht für TrailXperience. Dies wurde hervorragend umgesetzt. Tja und auch die menschliche Komponente, die Guides waren super und wir empfehlen diese Jungs gerne. Letztlich werden auch wir bald wieder buchen.
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