Dolomiti Freeride Transalp in 5 Tagen Bruneck – Lavarella

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Quer über die Alpen mit dem Mountainbike, das wollte ich immer schon mal machen. Bis dato gescheitert an Verletzungen bzw. an der Kondition. Letztlich sind 2000hm und mehr pro Tag nicht unbedingt der Burner. Doch dann, vor ca. 2-3 Monaten flattert mir ein Mail ins Haus „Dolomiti Freeride“ die Supertour für spaßorientierte Biker. Da will ich auch mit. Mein Freund Andy, seit Jahrzehnten am Mountainbike quer über die Alpen zuhause ist der Organisator dieses Events. Mal nachgefragt ob da noch Platz sei, „ja kein Problem, wir sind 7 Personen“. Etwas viel, aber was soll´s, haben ja immer einen Ganzen Tag um die jeweilige Phase zu bewältigen.

Wie so oft, als dann der Tag kam um zu starten, waren wir nur noch zu zweit. Der Rest ausgeschieden, Verpflichtungen, Verletzungen, was eben so alles passieren kann. Leicht nervös ob des Wetters, die letzten Wochen waren strahlend super Sommerwetter, irgendwann muß das Wasser ja wieder runter kommen, immer wieder ein Blick auf den Wetterdienst. Letztlich hilft alles nichts, die Übernachtungen sind reserviert und auf geht´s. Alles reingepackt in unser Expeditionsfahrzeug Defender 110. Diesmal furchtbar wenig Gepäck. Jeweils ein Mountainbike und ein Rucksack. Cool, völlig neues Gefühl. Ellbogen und Knieschoner auch noch rein, wird ja schließlich eine Singletrailorgie jeden Tag.

Tag 1: Salzburg – Bruneck – Laverella Hütte

Felbertauern glücklicherweise vor ein paar Tagen aufgesperrt tuckern wir gemütlich in Richtung Bruneck. Das Wetter am Start noch strahlend schön, am Felbertauern bereits die ersten Gewitter und in Osttirol hängen die Wolken bis auf die Straße. Ned fein. Kann ja nur noch besser werden. Der Parkplatz bei der Kronplatzbahn beinahe menschenleer, eben noch Sonnenschein und dann während des Einparkens öffnen sich die Schleusen. Umziehen im Auto und mal abwarten, ist ja nur ein Gewitterregen. So, Räder raus, Rucksack schultern und auweh, Andy hat die Bremsbeläge vergessen. Nachfrage im Bikeshop bei der Gondelbahn, hat eine Riesenauswahl, nur die hat er leider nicht. Müssen wir morgen Abend prüfen, in Arabba gibt´s ja auch wieder einen Bikeshop und bis dahin geht´s schon.

“2-mal Bergfahrt bitte, macht Ihr Pause jetzt?” Die Seilbahn steht, “nein, oben hagelt es so stark” der Liftangestellte in aller Ruhe. Na, das sieht ja schon nach einem perfekten Start aus. Andy hat die gesamte Tour auf sein nagelneues GPS-Gadget raufgespielt und Jacqueline wird uns nun durch die Natur geleiten. “In Kürze links abbiegen”, … na ja, man wird sehen.

Oben angekommen, es schüttet. Menschliche Wesen sind keine zu sehen ausgenommen wir beide. Liegt vielleicht auch daran, dass die Sicht nur 10m beträgt. So alles anziehen, was dicht ist. Zum Glück hat mir Andy seine Neopren Socken geliehen, würde ohne jetzt ziemlich frisch werden bei den Zehen. Duschhaube auf den Helm, optisch nicht sehr ansprechend, aber funktionell und wie gesagt, sehen tut uns eh keiner.

Na dann raus in den Guss und los geht´s. Jacqueline ist gleich mal ziemlich angepisst und will uns den Weg nicht verraten. Nun, auf alle Fälle mal runter. Na ja soweit vielleicht auch wieder nicht, deshalb wieder retour rauf bis zum Wegweiser. Lesen bringt´s. Etwas Gefühl für die Himmelsrichtungen und schon befinden wir uns auf dem richtigen Weg. Mittlerweile hat auch der Regen nachgelassen und wir düsen die Forststraße in Richtung Tal in Erwartung, dass Jacqueline uns rechtzeitig auf den Trail lotst. Stopp. Soweit dürfen wir nicht runter. Karte ausgepackt und wieder retour rauf auf einen Pfad, der uns zwar beim Vorbeifahren schon wohlwollend aufgefallen ist, aber wir wollten unserer Naviprinzessin ja nicht widersprechen.

Rauf auf den Grad, ein wunderschöner Trail liegt nun zu unseren Füßen, der Himmel öffnet sich und die Sonne blinzelt hervor. Perfekt. Jacqueline ist auch wieder zufrieden und wir gleiten auf einem weichen handtuchbreitem Trail zwischen den Bäumen am Grad dahin. Dazwischen immer wieder leichte Irritierungen ob der vielen Abzweigungen und Möglichkeiten in Richtung unseres Zieles. Mittlerweile wird der Weg etwas steiler und rasant geht´s bergab im Wald, bis wir wieder auf Asphalt kommen und einen regnerischen Ausblick auf das Tal vor uns sehen.

Sieht aus wie Bruneck? Hawidere, völlig verkehrt.

In der Eile haben wir mal nicht auf Jacqueline gehört und sind den Trail runter gedonnert, weil´s so schön war. Aber just in diesem Augenblick kommen 2 Einheimische mit dem Auto daher. Zum Glück sind wir Österreicher somit haben wir auch rudimentär verstanden was die uns gesagt haben wie wir fahren müssen.

Also, kehrt Marsch und mal raufkurbeln. Eh nicht schlecht ist saukalt und regnet immer so leicht dahin. So fahren wir nun mal ein paar Hundert hm in Richtung der Pfaffenberger Höfe. Die Landschaft, soweit erkennbar wunderschön, gleiten wir durch Wolkenfetzen und sind noch ganz guter Dinge. Schließlich sind wir jetzt am richtigen Weg angelangt.

Bei den Pfaffenberger Höfen haben wir mal die Höhenlinie erreicht, auf der´s jetzt entlang in Richtung St. Vigil weitergeht. Im Unterstand checken wir mal mit Jacqueline, ob alles passt und verzehren unseren ersten Riegel nach beinahe 3,5 Stunden Fahrzeit. Nun beginnt´s so richtig zum Schütten.

Bis zum Tagesziel ist es noch ein weiter Weg und da liegen schon noch mehr als 1000 hm vor uns. Blitz, Donner und Wassermassen um 16:45 Ortszeit. Noch etwas warten, bis der Regen wieder nachlässt und weiter geht´s entlang der Höhenlinie vorerst mal auf einer Forststraße durch den Wald. Immer wieder kommen kleine Siedlungen am steilen Hang, bis wir letztlich St. Vigil auf 1201m um 17:30 erreichen. Das Panorama atemberaubend. Die Felsen leuchten rot in der Abendsonne und wir treten mal die 15 km Straße rein zum Talschluss.

Das Etappenziel die Pederü-Hütte liegt auf 1548m. Na ja, wenigstens regnet es nicht und Verkehr ist auch keiner mehr. Von dort dann noch zur Lavarellahütte auf 2042m und dann gibt´s Nudeln und Weißbier!

Aber vorher, 15 km Fahrrad fahren. Mittlerweile macht sich der lange Tag bemerkbar, aber was soll´s gemütlich kurbel ich die 350 hm nach oben. Andy ist schon vorneweg und kabelt mal zur Lavarellahütte dass wir heute schon noch kommen. Später eben.

Bei der Pederü angekommen, hat sich der Himmel wieder verdunkelt. Aber nicht weil es bereits dämmert, sondern sich ein heftiges Gewitter am Talende gestaut hat, welches uns mit Blitz, Donner und Wassermassen von oben empfängt. Linzerschnitte, heiße Schokolade und einen Espresso. So gedopt machen wir uns an den letzten Anstieg zur Lavarella. Am Anfang noch fahrend, tendiere ich dann doch lieber zu schieben. Zumal nun alle 10 hm ein Blitz mit gleichzeitigem Donner über uns entlädt. Beim Gehen wird einem warm. Ich liebe Neoprensocken! So ziemlich genau nach einer Stunde erreichen wir die Abzweigung zur Lavarellahütte, das Gewitter ist nicht mehr ganz so nah, der Regen schon und wir können bereits die Lichter der Hütte erkennen.

Fröhlich pfeifend legen wir die letzten paar hundert Meter zurück und rein in die gute Stube.
Raus aus dem nassen Zeug, alles irgendwo aufgehängt und Mal heiß duschen. Bärenhunger. Speckjause, Weißbier und Makkaroni. Genau das Richtige für ausgehungerte und durchnässte Biker. Am Nebentisch 2 Südtirolerinnen, wobei eine aus China stammt, haben wir gleich auch mal eine nette Unterhaltung, bis die Hüttenruhe um 22:00 ausgerufen wird und wir in unsere Betten kriechen. Gespannt, was der morgige Tag zu bieten hat. Der Wetterbericht lässt Hoffnungen zu auf blauen Himmel und Sonnenschein.

 

Tipps zum Tag 1:

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Comments
  • TW

    Bin soeben auf Eure Website gestoßen. Wirklich sehr ansprechend geschrieben. Werde mich die nächsten Tage durch die Artikel „arbeiten“.
    liebe Grüße
    Walter

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