Dolomiti Freeride Transalp in 5 Tagen Rifugio Rosetta – Agordo – Bruneck

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Tag 5 Rifugio Rosetta – Agordo – Bruneck

Die letzte Nacht war etwas unruhig. Mein Schnarchen dürfte das italienische Pärchen im Zimmer etwas gestört haben, somit auch ich diese Nacht des Öfteren munter war. Ohrstöpsel, ein wichtiges Instrument für Hüttengäste, die wohlig schlafen wollen. Egal. 0600, ein kurzer Blick aus dem Fenster. Unglaublich. Klarer blauer Himmel, Sonnenschein. Juhu!!

Das Klo erinnert mich an Aufenthalte in Italien vor 20 Jahren. Also gut zielen und Feuer frei. Runter in die gute Stube. Uuups. Zugesperrt? Ahh, da kommt Sie schon die fesche Wirtin von der Rifugio. Die Tische sind schon gedeckt, aber ich gleich mal raus in die frische Luft. Frisch ist es tatsächlich. Gefühlte 5 Grad. Soderla, vorfrühstückliche Fotosession. Die gleichen Motive immer wieder eingefangen. Weils halt so schön sind.

Jetzt wird mal ausgiebig gefrühstückt, letztlich steht heute ein heftiger Tag bevor. Nach und nach füllt sich der Raum und auch Andy ist schon da. Wir besprechen noch kurz, was heute so der Plan ist und dann wird auch schon eingepackt und die Fahrräder durchgecheckt. Bremsen. Alles cool.

Na Jacqueline ist noch nicht so cool, die schickt uns gleich mal nach oben in Richtung 3000er. Nach 4 gemeinsamen Tagen nehmen wir Sie nicht mehr so ernst und fahren mal den Weg, wo wir meinen dass es sich um den richtigen handelt.

Ich mit der Kamera mal vorneweg, will ja ein paar coole Büadln schießen vom Andy und der Rifugio Rosetta. Ist auch gelungen, nur leider etwas zu schnell. Plötzlich aus dem nichts düst der Hubschrauber mit der Verpflegung knapp über meinem Kopf in einer Kurve auf den Landeplatz zu. Wahnsinn. Super Manöver für einen Hubschrauber Junkie wie mich.

Aber jetzt wird´s Zeit und so fahren und treten wir die alte Militärstraße bergab und bergauf über ein Felsplateau mit sensationellem Weitblick. Konzentration ist angesagt und Fahrtechnik wird auch mit ausgepackt. Die Steine teilweise richtig grob, aber im Großen und Ganzen alles gut fahrbar bis auf ein paar wenige Stellen. Bei Schlechtwetter möchte ich hier nicht unterwegs sein. Teilweise ist auch bei unseren Bedingungen der Weg nicht überall gleich erkennbar.

Das Panorama ein Wahnsinn. 16km steht im Roadbook nach Agordo. Mir kommt´s vor als wären es 50. Weniger von der Kraft, sondern mehr von der Emotion. Der Weg schlingt sich über das Felsplateau und läuft in der Felswand von Tal zu Tal.

Eine Abzweigung später, der Weg führt an der Wand entlang nach oben, liegt ca. 30m senkrecht unter uns ein Biwak. Dort unten ist noch Schatten und die Bergsteiger kochen Kaffee und unsere Reise geht weiter über die nächste Kante. Jetzt wird´s ausgesetzt. Noch ist der Weg schön breit aber je weiter wir in der Felswand nach unten rollen, desto enger wird der Weg und desto steiler die Wand. Jetzt bin ich froh, dass mein Lenker noch nicht so breit ist wie vorgesehen, somit kann ich etwas näher an der Wand fahren. “Nicht stehen bleiben, weiterfahren”, sage ich zu Andy, “ansonsten werde ich hier etwas nervös”.

Das war´s dann aber auch schon mit der Gefahr. Nach der Kurve geht´s noch etwas im felsigen Gelände der Wand lang und schon befinden wir uns wieder auf Almgebiet bevor wir die Malga Campigat, einer kleinen Alm mit einem Wegabzweig ins Val Gares erreichen.

Laut Silvano können wir hier links und rechts fahren. Der eine Weg ist eher flowig, der andere eher technisch. Wir entscheiden uns für die Originalvariante, den Flow, zumal dieser auch in der Sonne liegt. Im Roadbook als ausgesetzt beschrieben, können wir das nach dem eben vorhin erlebten nicht nachvollziehen. Und so rauschen wir dem Tal entgegen. Der Flow wird leider allzu bald eine Forststraße.

Jacqueline hat sich auch wieder beruhigt und teilt pflichtgemäß alle Abzweigungen rechtzeitig mit. Andy hat am Display einen schwarzen Strich gesehen, und da ist er schon. Ein urgeiler Singletrail der Links im Wald verschwindet. So was kann man nicht auslassen.

Deftig. Deftig. Im Nassen möchte ich das nicht fahren. Aber heute, ein Traum. Vorbei an alten Mühlen windet sich der Trail zu Tal. Immer wieder überqueren wir die Forststraße bis wir endlich am Talgrund ankommen.

Jetzt geht´s ein paar Meter auf der Straße entlang und dann wieder rein in den Wald. Einige Meter fahren wir auf einer Betonabwasserröhre, erreichen einen kleinen See und es geht immer rauf und runter mal Trail mal Forstweg bis wir Taibon erreichen. Wie vereinbart funken wir jetzt mal Silvano an um die Abholzeit in Agordo zu vereinbaren.

Die wenigen Kilometer von Taibon nach Agordo legen wir auf der Straße zurück und am ersten Kaffee am Platz wird mal ordentlich gebunkert. Die letzten 3,5 Stunden hatten es in sich. Alles sehr lecker hier. Nach dem zweiten Cafe Freddo, wir haben eben bezahlt und wollten im Park ein kurzes Nickerchen machen, steht schon Silvano mit seinem Shuttle da. Also, alles reingepackt und rauf geht´s auf den Passo Rolle zur nächsten Etappe in Richtung Bruneck.

Silvano gibt uns noch ein paar gute Tipps wie wir am wenigsten Straße fahren und somit düsen wir schon wieder weiter eine alte Militärstraße in Richtung St. Kassian. Hier kreuzen sich die Wege welchen wir am zweiten Tag aus dem Fanestal in Richtung Arabba genommen haben.

Leider ist jetzt Straße angesagt. Wir rollen im Semitempo mit unseren groben Reifen ca. 1 Stunde die Straße runter. Viel Verkehr, wir fühlen uns nicht unbedingt wohl. Andy macht den Vorschlag eine Abkürzung zu fahren, sind nur ca. 100-200 hm raufzukurbeln. Eh klar. Alles ist besser als weiterhin auf der Straße zu fahren.

So kleiner Gang und rauf geht´s. Oje. Weg gesperrt. Egal. Wir haben Mountainbikes. So fahren wir einen wunderschönen Waldweg hoch über der Straße immer der Höhenlinie entlang und gelangen nach ca. 40 min in das nächste Tal. Jetzt sehen wir die Kirche, welche wir am ersten Tag von oben sahen, von unten und ein Einheimischer gibt uns den Tipp da raufzuradeln und von dort würden wir direkt am Kronplatz ankommen.

Also, noch mal ca. 300 hm. Aber die zahlen sich aus. Wir fahren gemütlich, anders geht´s eh nicht mehr, in der Affenhitze die Straße hoch, bis wir die Höhenlinie erreichen, welche uns mehr oder weniger eben zum Ziel bringt. Ein paar schnuckelige Gasthäuser am Wegrand mit gutem Weißbier wirkten sehr einladend, der Himmel vor uns leider weniger. Somit strampelten wir die letzten Kilometer teilweise mit heftigem Gewitterwind, jedoch trocken in Richtung Kronplatz dem Ausgangspunkt unserer Freeride Transalp vor 5 Tagen.

Resumee:

Jederzeit wieder. Einzig der erste und der letzte Tag könnten von der Route eine Umplanung vertragen. Wir wissen auch schon wie. Tja, ich möchte das nächstes Jahr wieder fahren.

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